Das falsche Bildnis des Five Hargreeves
Oktober, 2003
Klaus schreckte in seinem Bett hoch. Schweiß klebte nass an seiner Haut und sein Atem ging schwer. Es dauerte ein paar Sekunden, bis er sich orientiert hatte. Mit schrillen Bildern geschmückte Wände, Klamotten, die überall auf dem Boden verstreut lagen, ein knautschiger Sitzsack, ein Windspiel, das sanft vor dem Fenster schaukelte und dabei leise Töne von sich gab.
Er war in seinem Bett, zu Hause, in der Umbrella Academy. Dort, wo sein Bruder Five nicht war. Frustriert ließ sich in die Kissen zurückfallen. Im Traum war er so nah dran gewesen, so kurz davor, seinen Bruder wieder zu finden. Doch jedes Mal war er ihm entwischt, war wie Rauch durch seine bloßen Hände geglitten. Kaum hatte er ihn zu fassen bekommen, da löste sich sein Umriss vor seinen Augen in nichts auf. Klaus seufzte schwer, in seiner Brust nagte das Gefühl, dass Five so weit weg wie nie von ihm war. Wenn er denn überhaupt noch lebte.
Genau ein Jahr war seit dem Verschwinden seines Bruders nun vergangen und für Klaus war es ein Jahr voller Wut, Trauer und zunehmender Verzweiflung gewesen. Seit dem unseligen Essen, bei dem Five zur Tür hinausgestürmt war, hatten er und seine Geschwister nach Five gesucht. Zuerst hatten sie die Straßen in ihrer direkten Nachbarschaft abgesucht, dann die in ihrem Viertel und, als sie auch da keine Spur von ihm fanden, hatten sie ihren Suchradius schließlich auf die ganze Stadt erweitert. Stundenlang waren sie umhergeirrt, immer wieder hatten sie nach ihm geschrien und Ausschau gehalten.
„Five, Fiiiiive! Wo bist du?" „Five, komm nach Hause, bitte! Fiiiiiive! Wir sind es, deine Geschwister!" „Nummer 5, wo steckst du? Wir sind hier!" „Klugscheißer! Ey, komm schon raus!" „Kannst du uns hören, Five? Komm doch zurück ..." „FIVE!"
Laut waren ihre Stimmen durch die engen Gassen und Hauptstraßen geschallt, aber nie hatten sie eine Antwort auf ihre verzweifelten Rufe erhalten. Es hatte auch nichts gebracht, dass sie, mit Fives Foto bewaffnet, an unzähligen Haustüren geklingelt hatten, denn niemand hatte ihren Bruder gesehen.
Klaus erinnerte sich schmerzhaft daran, wie die Verzweiflung nach jeder erfolglosen Suchaktion in ihm gewachsen war, dabei sein Herz zusammengequetscht und ihm fast die Luft zum Atmen genommen hatte. Warum fanden sie ihn bloß nicht?
In seiner Not war er sogar zur Polizei gegangen, doch die hatten ihn gar nicht erst gar ernst genommen. Wenn sein Bruder tatsächlich verschwunden wäre, dann würde ja wohl der Vater hier stehen, hatten sie gelacht und ihm mitgeteilt, dass sie keine Zeit für solche dummen „Jungenstreiche" hätten. Vor Wut schäumend hatte er dem Polizisten ein Foto seines Bruders auf den Tresen geknallt und war zur Tür hinausgestürmt, brüllend: „Wenn Sie Arschlöcher sich weigern, ihn zu finden, werde ich das eben tun!"
Doch Zeit war vergangen und nichts war passiert. Five kehrte nicht nach Hause zurück, sein Zimmer blieb verwaist, sein Bett unberührt. Nach einigen Monaten waren die Rufe seiner Geschwister weniger geworden, dünner, leiser. Sie suchten zwar noch nach ihm, aber sie gingen mehr die Straßen auf und ab, dabei laut schwatzend und schnatternd, als dass sie wirklich nach Five Ausschau hielten. Sie klingelten auch nicht mehr an Türen, es war ihnen schlicht zu mühselig geworden. Und dann, eines Tages, nach einer weiteren erfolglosen Suche, hatte Luther ihn zur Seite genommen.
„Klaus, ich glaube, es ist an der Zeit, dass wir ... nunja, aufhören nach Five zu suchen und uns wieder auf unsere Mission konzentrieren", hatte Luther mit sanfter Stimme gesagt und ihn dabei eindringlich angesehen. Dann hatte er ihm seine riesige Pranke auf die Schulter gelegt, bevor er fortgefahren war.
„Sieh mal, wir finden ihn doch nicht, er ist nicht in der Stadt, sonst hätte er uns doch geantwortet. Ich als Nummer 1 muss jetzt eine Entscheidung treffen und ich denke, wir verschwenden hier nur noch unsere wertvolle Zeit, die wir besser für unser Training..."
Doch dann war Luther abrupt verstummt, als er Klaus' entsetzten Gesichtsausdruck gesehen hatte. „Ich will damit nicht sagen, dass... ähhh...ich bin sicher, er ist noch am Leben! Nur einfach, nicht ... nicht hier." Dabei deutete Luther mit Zeigefinger auf den Boden. In dieser Sekunde hatte sich Klaus auch schon auf ihn gestürzt und mit seinen Fäusten auf dessen massige Brust eingetrommelt.
Außer sich hatte er gekreischt: „Ihr gebt ihn auf, ihr gebt unseren Bruder einfach auf! Wie könnt ihr nur! Ihr Feiglinge! Ihr Ärsche! Wichser!" Immer mehr Schimpfwörter waren aus seinem Mund gesprudelt, waren wie seine wütenden Trommelschläge auf Luthers Brust eingeprasselt. Luther hatte nur dagestanden und ihn schreien lassen, bis er weinend an dessen Brust zusammengebrochen war. Völlig erschöpft hatte er ihn anschließend in sein Bett getragen und Ben hatte an seiner Seite gewacht.
An die Zeit nach diesem Vorfall konnte Klaus sich kaum erinnern. Alles war ein verschwommener Strom aus Bildfetzen, die in seinem Gehirn nicht so richtig zusammenpassen wollten. Tage gingen ineinander über, Monate verschwammen zu einem unendlichen Fluss aus hell und dunkel. Er fühlte sich wie betäubt, tagsüber wandelte er als leere Hülle durch die Gänge der Academy und nachts träumte er seltsame Träume von Marshmallow – Erdnussbutter Sandwiches und Geistern, die durch das Haus schlichen und überall das Licht anmachten.
Der Frühling ging in den Sommer über und der Herbst färbte die Blätter bunt. Klaus fühlte sich immer noch innerlich tot, doch er weinte nicht mehr um Five – zumindest nicht wenn andere dabei waren – sondern bastelte still uns leise an einem neuen Plan. Seine Geschwister mochten Five aufgegeben haben, doch er nicht. Er musste ihn finden, das war er ihm schuldig.
Seufzend drehte er sich in seinem Bett um und drückte Mr. Snuggels an seine Wange. Ein Jahr war es her, ein verdammtes Jahr, und sein Bruder war noch immer nicht zurückgekehrt. Klaus biss sich auf die Lippe. Ein Gedanke war ihm durch den Kopf gehuscht. Ein Gedanke, so erschreckend und hoffnungsgebend zugleich, dass Klaus nicht wusste, ob er lauthals lachen oder schreien sollte.
Er war kein normaler Mensch, er konnte auf andere Mittel zurückgreifen, um Five zu finden. Wenn er doch ... seine Kräfte einsetzte, um nach seinem Bruder zu suchen ... Vielleicht könnte er dann mit Five sprechen? Sogar jetzt gleich? Klaus' Herz hämmerte wild vor Aufregung.
Dann fiel ihm ein, dass er Five nur sehen würde, wenn er tot wäre und das war der Moment, in dem Klaus am liebsten laut gebrüllt hätte. Five durfte nicht tot sein! Sein Bruder konnte kein seelenloser Geist sein, der noch immer in der Welt umherirrte, das war ausgeschlossen ... oder nicht?
Klaus wagte es nicht, seine Kräfte einzusetzen, um seine Theorie zu überprüfen. Wenn er nicht nachsah, ob Five ein Geist war, dann war er noch am Leben, ganz einfach! Er presste seinen Teddy, Mr. Snuggles, auf sein Gesicht und atmete tief ein.
„Du bist nicht tot, du bist nicht tot, du bist nicht tot!", murmelte er zu sich selbst, während er den beruhigenden Duft seines Kuschelbären einatmete. Ein und aus ... und wieder ein-, ... und ausatmen. Mr. Snuggels Geruch drang tief in seine Nase, doch der Bär half ihm nicht wie sonst herunter zu kommen.
Er brauchte etwas Stärkeres. Zum Glück hatte er für solche Fälle vorgesorgt. Hastig sprang er aus dem Bett auf, hüpfte über die Klamotten am Boden und durchwühlte das Chaos auf seinem Schreibtisch.
„Na komm schon, komm schon, wo bist du?" Klaus verteilte Papiere, Hefte und Bücher wahllos auf den Boden, während er seinen Schreibtisch umpflügte. „Ah! Endlich! Da habe ich dich ja!"
Er zog das Tütchen mit den getrockneten Blättern unter einem Stapel an Schulunterlagen hervor. Eilig öffnete er den Verschluss, verteilte ein paar Krümel auf einem Papierchen, rollte das Ganze zusammen und zündete das eine Ende mit einem Feuerzeug an. Langsam und genüsslich zog er so lange an dem anderen Ende, bis die Spitze rot aufglühte.
„Ahhhhh, schon viel ... besser." Er spürte, wie er innerlich bereits ruhiger wurde, auch wenn der Joint seine Kraft erst noch entfalten musste. Noch ein Zug. Das Papier knisterte. Er behielt den Rauch lange in der Lunge, bevor er ihn durch seinen Mund ausstieß. In wenigen Minuten würde die volle Wirkung des Grases einsetzen, dann würde das Zittern aufhören und hoffentlich auch die schlimmen Gedanken. Ein weiterer Zug. Er schloss die Augen und wartete darauf, dass sich der Nebel in seinem Kopf lichtete.
Als er sich eine halbe Stunde später auf den Weg zum Frühstück machte, fühlte er sich so entspannt wie schon lange nicht mehr. Mit schwungvollen Schritten hüpfte er die Treppe hinunter und lief in die Küche, wo Ben, Diego und Allison bereits am Frühstückstisch saßen.
„Guten Morgen, Familie!", rief er gut gelaunt und schnappte sich einen Toast von der Anrichte, den er großzügig mit Butter und Marmelade bestrich. „Ist heute nicht ein guter Tag? Genau der richtige, um unseren Bruder wiederzufinden!" strahle er. „Heute wird es klappen, wir werden ihn nach Hause bringen, ich habe das im Urin, wisst ihr? Ich sag's euch, Leute, heute ist unser Glückstag!"
Klaus sah optimistisch in die Runde seiner Geschwister, die schweigend auf ihr Frühstück starrten und keinen Ton von sich gaben.
„Was isn los?", fragte er kichernd und biss eine Ecke von seinem Toast ab. „Warum guggt ihr denn so wie Meerschweinchen ohne Meer?" Er stieß Diego kameradschaftlich mit dem Ellbogen in die Seite, doch der grummelte bloß und tauchte seinen Löffel stoisch in seine Schüssel mit Vollkornmüsli. Klaus biss eine weitere Ecke seines Marmeladentoasts ab und musterte ihn eingehend.
„Klaus an Diego! Hallooo! Ich mag wissen, was ihr alle habt. Gibt es etwa eine Überraschungsparty, von der ich nichts ...?"
Weiter kam er nicht, denn in diesem Moment schneite Luther, völlig außer Atem, in die Küche.
„Habt ihr schon gesehen, was Pogo und Grace im großen Wohnzimmer aufhängen? Es ist unglaublich! Das ist doch tatsächlich ein riesiges Ölgemälde von Fi..."
Ben gestikulierte wild, woraufhin Luther augenblicklich verstummte. Mit hochgezogenen Augenbrauen starrte er ihn verwirrt an. „Ben, was ist denn los? Warum fuchtelst wie blöd mit den Händen herum?"
Ben verdrehte die Augen und klatschte sich die Hand vors Gesicht.
„Ein Bild?", fragte Klaus interessiert und schob sich den Rest seines Toasts in den Mund. „'N Bild von was?", nuschelte er mit vollem Mund. „Hat Dad wieder so nen ollen Ölschinken für die Galerie gefunden?" Er spülte den Toast mit einem großen Becher Kakao herunter.
„Also, ähm...", versuchte Luther Zeit zu schinden. „Es ist ein Portrait von ... von ..." Luther verstummte und blickte sich Hilfe suchend um. Ben schüttelte energisch den Kopf.
„Ist es so hässlich, ja?", lachte Klaus und schob sich einen weiteren Toast in den Mund.
„Naja, also nein, es ist, also es ist...", stotterte Luther, lief puterrot an und ballte seine Hände zu Fäusten.
„Hör damit auf, Luther. Sag es ihm einfach. Früher oder später wird er es sowieso herausfinden", murmelte Diego tonlos über seinem Müsli. „Hat eh keinen Zweck."
„Mir was sagen?", fragte Klaus zunehmend verwirrt und blickte in die Gesichter seiner Geschwister. „Na los, raus damit! Sind da etwa wieder halb nackte Leute drauf? So wie auf dem Teil von diesem Renault, was Dad neulich angeschleppt hat? Das macht mir nichts, weiß doch sowieso schon jeder, dass ich auf Männer..."
„D...das ist es nicht", unterbrach ihn Luther, der knallrot angelaufen war. „Er ist darauf nicht ...nackt ... Gott sei Dank." Er vermied Klaus' Blick.
„Ihr seid solche jämmerlichen Waschlappen!" schaltete Allison sich nun in das Gespräch ein. „Ihr alle!" Dabei zeigte sie anklagend zuerst auf Diego, dann Ben und Luther.
„Klaus, sie hängen ein Gemälde von Five im Wohnzimmer auf. Als Andenken." Allison sah ihm direkt in die Augen.
Mit einem Schlag verpuffte Klaus' ganze innere Gelassenheit, löste sich auf wie ein Rauchwölkchen in der Sonne. Überstürzt sprang er vom Tisch auf, quetschte sich an Luthers massiger Gestalt vorbei, und rannte ins Wohnzimmer.
Dort stand Pogo auf einer Leiter und versuchte, mit Grace Hilfe, ein riesiges Ölgemälde an der Wand über dem Kamin anzubringen.
„Links ein bisschen höher, Pogo", wies Grace den Schimpansen an.
Pogo schob das Gemälde ein Stück weiter nach oben. „Ist es so besser, Grace?"
„Ja, so ist es gut, denke ich." Grace ging ein paar Schritte zurück und legte nachdenklich einen Finger auf die Lippen. „Was für ein wunderschönes Gemälde von Five. Er ist hervorragend getroffen. Wirklich, eine ganz meisterhafte Arbeit."
Klaus stand wie festgefroren in der Wohnzimmertür und starrte auf Fives riesiges Abbild an der Wand. Das war ... war ... Verrat! In seinem Inneren wurde es heiß. Mit einem lauten Schrei stürzte er sich auf Pogo und versuchte, ihn von der Leiter zu zerren.
„Hey!", rief dieser entsetzt. „Was ist denn ...? Was soll das? Klaus? Hör auf damit, Junge!"
Doch Klaus dachte nicht im Traum daran, er sprang auf Pogos Rücken, der sich verzweifelt mit einer Hand an der Leiter fest klammerte, während die andere sich am Bild festkrallte. Die Leiter quietschte und wackelte bedrohlich hin und her.
„Klaus! Sofort runter von mir, Junge!", forderte Pogo in strengem Ton. „Wir kippen sonst noch um!"
„Verräter! Ihr seid alles Verräter!", schrie Klaus und zerrte weiter an Pogos Anzug herum. „Wie könnt ihr Five das antun! Ihr miesen Dreckschweine!" Klaus bekam Pogos Hand zu fassen und zog sie vom Bilderrahmen weg.
Was dann passierte, geschah so schnell, dass Klaus später nicht mehr sagen konnte, was davon zuerst geschehen war. Pogo jaulte, das riesige Ölgemälde krachte von der Wand, schlug auf dem Boden auf und im gleichen Moment kippte die Leiter mit Pogo und ihm und begrub sie unter sich. Klaus wurde die Luft auf den Lungen gedrückt.
Grace kreischte entsetzt: „Klaus! Pogo! Um Himmels willen, seid ihr verletzt?" Eilig schob sie das zerrissene Gemälde beiseite und zerrte die schwere Metallleiter von ihnen runter.
Pogo, vom Gewicht der Leiter befreit, rollte sich augenblicklich von Klaus herunter und begutachtete ihn. „Klaus, Junge! Sag was, bist du verletzt? Hast du Schmerzen?" „Grace, lauf in die Krankenstation und hole den Verbandskasten! Schnell! Klaus blutet am Kopf!"
Klaus richtete sich auf. Tränen des Zorns traten in seine Augen. „Ob ich Schmerzen habe, willst du wissen? Das ist doch scheißegal!" Er tobte. „Was wichtig ist, ist, ob Five Schmerzen hat! Aber der kümmert euch ja nicht, oder? Der ist euch allen scheißegal!"
Klaus stand auf, Spuckebläschen flogen jetzt aus seinem Mund. „Ihr sitzt alle da und tut so, als wäre alles normal, aber nichts ist mehr normal, hört ihr? Was es in dieser verschissenen Familie sowieso noch nie!" Er griff nach einer Vase und schmiss sie wütend gegen die holzvertäfelte Wand, wo sie mit einem lautem peng zerschellte.
Pogo riss entsetzt die Augen auf. „Klaus, ich versichere dir, wir..."
„Und dann, ausgerechnet heute, HEUTE, an seinem Jahrestag, hängt ihr so ein verficktes Ölgemälde von ihm auf! Als wäre er tot! Aber er ist nicht tot! Er ist irgendwo da draußen, allein, und wartet darauf, dass wir ihm zu Hilfe kommen!" Er trat wütend gegen das Sofa, griff sie eins der Zierkissen und zerriss es, sodass die Federn nur so flogen.
„Klaus, bitte, es..."
Klaus ließ Pogo nicht zu Wort kommen. „Wir müssen weiter nach ihm suchen, ihm helfen, doch ihr, ihr Arschlöcher, habt aufgegeben! Jetzt, wo Five uns am meisten braucht, habt ihr ihn einfach aufgegeben! Das Scheiß Bild ist der Beweis! Für euch ist er tot! TOT!"
Zornentbrannt riss er ein Buch nach dem anderen aus dem Regal und warf sie in Pogos Richtung. „Ihr – ein Buch flog – seid - ein weiteres flog und wischte im Flug die Porzellanfiguren von der Kommode - alles – er warf ein weiteres Buch – WICHSER!"
Klaus atmete schwer, seine Brust hob und senkte sich. Tränen strömten über sein Gesicht. Er ließ sich auf den Boden sinken und drückte eins der zerrissenen Sofakissen an seine Brust. Dort, wo vorher die Wut in seinem Herzen gesessen hatte, war jetzt nur noch ein großes Loch.
„Five, Five", wimmerte er und rollte sich auf dem Boden zu einer Kugel zusammen. „Komm zurück, bitte komm zu uns zurück."
Eine haarige Hand streichelte über seinen Kopf, und Pogos sanfte Stimme sagte: „Wir haben ihn nicht, vergessen, Klaus. Five ist genau hier." Er legte seine Pfote auf Klaus' Brust, genau auf sein Herz.
„Aber jetzt müssen wir weitermachen!" Pogos Stimme hatte einen strengen Ton angenommen. „Ihr Kinder wurdet aus einem besonderen Grund ausgewählt, ihr habt eine Mission. Ihr müsst euch wieder auf eure Aufgabe konzentrieren. Ihr Kinder seid zu Höherem bestimmt. Und du, Klaus, du musst zur Ruhe kommen. Es ist genug. Ein Jahr der Trauer ist genug."
„Das ist nicht eure Entscheidung!", schluchzte Klaus und schlug Pogos Hand weg. Langsam stand er auf und bahnte sich einen Weg durch das Chaos im Wohnzimmer. Pogo hielt ihn nicht auf und er kam ihm auch nicht nach.
„Ich hasse euch, ich hasse euch alle! Ihr seid nicht meine Familie!", schrie Klaus, bevor er die Treppe zu seinem Zimmer hochstieg und die Tür laut hinter sich zuknallte.
Weinend warf er sich auf sein Bett, vergrub sein Gesicht in seinem Teddybären. „Verzeih mir, ich schaff es nicht ohne", keuchte er, dann steckte er seine Finger tief in ein kleines Loch an Mr. Snuggles Rückseite und holte eine blaue Pille mit eingeprägten Engelsflügeln heraus. „Das ist das letzte Mal, Five, versprochen."
