xiv.
23. Oktober 1976
Wenn es eine Sache gab, die die Vergangenheit mit Hermiones Zeit gemeinsam hatte, dann war es, wie schnell sich Neuigkeiten in Hogwarts ausbreiteten. Sie war sich nicht sicher, woher jeder in der Schule zu wissen schien, dass sie mit Severus an Slughorns Halloween- Party teilnahm, aber es war klar, dass sie es wussten. Das Geflüster verfolgte sie durch die Korridore und die Große Halle, und all diese zusätzliche Aufmerksamkeit war das Letzte, was sie wollte.
Samstagnachmittag saß Hermione beim Mittagessen Amelia gegenüber, als sie drei Slytherin- Mädchen bemerkte, die die Köpfe zusammensteckten, kicherten und in ihre Richtung schauten. Hermiones Gesicht brannte, als sie den Kopf senkte und versuchte, sich auf das Essen vor ihr zu konzentrieren.
„Es tut mir leid, dass die Leute so unhöflich sind", sagte Amelia leise und warf einen Blick in Richtung der Slytherin-Mädchen.
Hermione zuckte mit den Schultern und nahm einen Bissen von ihrem Sandwich. Es war nicht das erste Mal, dass sie Gegenstand grausamen Getuschels und falsch informierter Gerüchte war.
„Ich meine, ich verstehe irgendwie, warum die Leute reden", fuhr Amelia fort. „Snape ist normalerweise nicht der Typ, der ein Date hat."
„Das ist keine Verabredung", brummte Hermione leise vor sich hin.
Amelia ignorierte Hermiones Protest und fuhr fort.
„Und sieh es ein, Hermione. Du bist neu, hübsch und extrem intelligent. Du hättest wahrscheinlich jeden Kerl, den du wolltest, in der Schule mitnehmen können."
Hermione ärgerte sich und verdrehte die Augen.
„Amelia. Ich habe es dir schon mindestens hundertmal gesagt. Wir gehen nur als Freunde."
Amelias Mundwinkel hoben sich auf gönnerhafte Weise. Es kostete Hermione all ihre Kraft, nicht auf ihre Freundin loszustürmen.
„Na gut. Es ist keine Verabredung. Aber du musst zugeben, dass diejenigen, die es nur durch die Gerüchteküche erfahren, es so auffassen würden."
Traurigerweise hatte Amelia wahrscheinlich recht, dachte sie.
„Ich nehme an, ja... aber es ist mir egal, was die Leute denken. Severus und ich wissen, wo wir stehen", sagte Hermione fest.
Aber wussten sie das, fragte sie sich?
Amelia sah aus, als wollte sie etwas sagen, besann sich dann aber eines Besseren und konzentrierte sich stattdessen auf ihr Essen. Hermione blickte zu Severus hinüber und schenkte ihm ein kleines Lächeln, als sie sah, dass er sie auch beobachtete.
Ihre Aufmerksamkeit wurde von Severus abgelenkt, als Remus sich neben Hermione setzte, woraufhin Amelia sich sofort mit einem breiten Lächeln aufrichtete.
„Alles in Ordnung, Remus?" fragte sie fröhlich.
Hermione bemerkte, wie sich Remus' Wangen leicht rötlich färbten, als er nickte und leise Hallo sagte.
„Hey, Remus. Was führt dich an unseren Tisch?" fragte Hermione.
Es war nicht ganz ungewöhnlich, dass Remus gegen Ende des Mittagessens oder manchmal auch beim Frühstück bei ihnen saß, aber er tat es auch nicht oft. Es war das erste Mal seit etwa zwei Wochen, dass er sich zu ihnen setzte.
Er sah unbehaglich aus, bemerkte Hermione, als er sich räusperte und in seinem Sitz hin und her rutschte. Sie fragte sich, ob etwas nicht stimmte.
„Ähm... bitte sei mir nicht böse, wenn ich frage, aber ich habe etwas von James und Sirius gehört und wollte nur wissen, ob es stimmt", sagte er, während er seinen Blick auf den Tisch gerichtet hielt.
Hermione blickte zu Amelia, die sich mit der Hand den Mund zuhielt und offensichtlich versuchte, sich das Lachen zu verkneifen. Es war offensichtlich, dass sowohl Hermione als auch Amelia wussten, worüber Remus sich erkundigte, da eine ansehnliche Anzahl ihrer KlassenkameradInnen über dieselbe Sache getratscht hatte. Es war eine enorme Leistung für Hermione, sich ein Knurren zu verkneifen.
Nach einem lauten Atemzug drehte sich Hermione so, dass sie Remus gegenüberstand.
„Wenn du damit meinst, dass ich mit Severus zu Slughorns Halloween-Party gehe, dann ja, Remus. Es stimmt, dass wir zusammen als Freunde hingehen."
Sie betonte erneut, dass es sich um eine rein platonische Beziehung handelte.
Sie fragte sich, was mit den Teenagern dieser Zeit los war, dass es ihnen so schwer fiel zu akzeptieren, dass zwei Menschen ohne romantische Absichten zusammen auf eine Party gehen konnten. Ja, es stimmte, dass sie und Severus ziemlich viel Zeit miteinander verbrachten, aber das taten Remus, James, Sirius und Peter auch. Und das bedeutete nicht, dass sie alle zusammen waren.
Remus nickte und brachte sich schließlich dazu, Blickkontakt mit Hermione aufzunehmen. Statt des zerknirschten, entschuldigenden Blicks, den sie erwartet hatte, sah er eher besorgt um sie aus. Er erinnerte sie in diesem Moment so sehr an Professor Lupin und nicht an ihren Freund Remus.
„Hermione… Ich – Ich ich weiß nicht, ob du es weißt, aber er und Lily…"
Wenn sie sich das noch einmal anhören musste, war sie sich sicher, dass sie jemanden verhexen würde.
„Ich werde dich jetzt aufhalten, Remus", begann sie mit mehr Stahl in der Stimme, als sie es normalerweise getan hätte.
Ihre Geduld war erschöpft, wenn es um sie und Severus ging, und die Leute ihr erzählten, was zwischen ihm und Lily Evans vorgefallen war. Bislang hatten Amelia, Edgar und Otto gemeint, sie warnen zu müssen. Sie wusste, dass sie nur ihr Bestes im Sinn hatten, aber es ärgerte und beleidigte sie, dass sie ihr nicht zutrauten, auf sich selbst aufzupassen oder ein gutes Urteilsvermögen zu haben, wenn es um die Gesellschaft ging, mit der sie sich umgab.
„Was zwischen den beiden vorgefallen ist, geht wirklich niemanden etwas an, außer sie selbst. Ich habe ihn nicht einmal darauf angesprochen, denn ehrlich gesagt, auch wenn es mies war, machen Menschen Fehler. Er und ich verstehen uns gut, und ich werde nicht eine Freundschaft wegen etwas ruinieren, das passiert ist, bevor ich diese Schule besucht habe."
Der reumütige Blick, den sie soeben erwartet hatte, zeigte sich endlich auf Remus' Gesicht. Ein großer Teil von ihr war zufrieden, als sie ihn sah, um ehrlich mit sich selbst zu sein.
„Natürlich, Hermione. Du hast ja recht. Es steht mir wirklich nicht zu, etwas zu sagen. Es tut mir leid", sagte er ihr.
„Danke, Remus", antwortete sie kurz.
Danach kamen Remus und Amelia ins Gespräch über das bevorstehende Hogsmeade- Wochenende, das zufällig auf denselben Tag wie die Halloween-Party fiel. Hermiones Gedanken schweiften von den beiden ab und reisten zu der kleinen Insel, die sie und Severus ein paar Tage zuvor besucht hatten, und wie ihr Herz einen Schlag auszusetzen schien, als er ihre Hand in seiner hielt.
Je mehr sie darüber nachdachte, desto mehr verstand sie, warum die meisten SchülerInnen dachten, sie und Severus seien ein Paar geworden. Die beiden verbrachten fast jeden Abend allein in der Bibliothek, gingen gemeinsam zu den meisten ihrer Kurse und waren Slughorns LieblingsschülerInnen in der Zaubertränkeklasse geworden. Sicherlich war sie nicht die Einzige, die bemerkt hatte, dass Severus lächelte und sogar lachte, wenn die beiden zusammen waren, und sie war sich auch sicher, dass jeder wusste, wie ungewöhnlich dieses Verhalten für ihn war.
Ohne es zu wollen, wanderte ihre Augen zum Slytherin-Tisch, und sie fand ein vertrautes schwarzes Paar, das sie anschaute.
Was sollte das denn? formte Severus lautlos mit dem Mund und warf einen Blick auf Remus.
Hermione schüttelte kurz den Kopf. Nichts, murmelte sie zurück.
Er ruckte mit dem Kopf in Richtung Ausgang und erhob sich von seinem Platz.
Hermione nickte.
„Also ich gehe zu..." Hermione brach ab, als sie sich erhob.
Amelia drehte sich um und lachte kurz auf, als sie Severus auf die Tür zugehen sah.
„Genau", sagte Amelia und verdrehte die Augen. „Viel Spaß mit deinem Freund", scherzte sie, was Remus dazu brachte, sich an seinem Kürbissaft zu verschlucken.
Hermione starrte die beiden böse an.
„Wir sehen uns im Gemeinschaftsraum", sagte sie zu Amelia und tat so, als hätte sie ihren Kommentar nicht gehört. „Mach's gut, Remus."
„Wir sehen uns, Hermione", sagte Remus, nachdem er zu Atem gekommen war.
„Severus", sagte sie, als sie die Tür erreichte.
Seine Augen schienen zu leuchten, als sie seinen Namen sagte, und sie spürte sofort ein Flattern bei dem Anblick.
„Hermione", antwortete er mit einem halben Lächeln.
Sie genoss die angenehme und freundliche Seite von Severus, die sie in letzter Zeit erlebt hatte. Er war wie ein neuer Mensch, ganz anders als der Mann, den sie in ihrem Leben kennen gelernt hatte. Sie betrachtete sie definitiv als zwei verschiedene Menschen, und das könnte für sie potentiell sehr gefährlich werden.
„Was möchtest du heute machen?" fragte er, als sie die Große Halle verließen und langsam durch den Korridor gingen.
„Nun", begann sie und schaute mit einem Stirnrunzeln aus dem Fenster. „Ich hatte gehofft, wir könnten wieder auf deine Insel fahren, aber der Regen hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht."
Sie kicherte über ihre eigene traurige Entschuldigung für einen Scherz und lachte dann, als Severus schnaubte und die Augen verdrehte.
„Das war erbärmlich", sagte er ihr mit trockener Stimme, doch das Lächeln, das er zu unterdrücken versuchte, verriet ihr, dass er es amüsant fand.
Sie schenkte ihm ein breites Lächeln und stieß ihn dann spielerisch mit dem Ellbogen an. „Das war brillant und das weißt du."
„Ja, absolut herausragend. Hermione Devereux, meine Damen und Herren. Sie wird die ganze Woche hier sein."
Hermione liebte es, wenn Severus aufrichtig lachte, so wie sie es dann gemeinsam taten. Es war wunderbar, ihn so menschlich und normal erscheinen zu sehen. Ganz zu schweigen davon, dass sie den tiefen Bariton seines Lachens ziemlich bezaubernd fand.
Als sie sich beide beherrscht hatten, blieb Severus stehen und sah zu ihr hinunter.
„Bibliothek?" fragte er.
In der folgenden Woche mussten sie einen Aufsatz über Zaubertränke schreiben, der zwei Fuß lang war. Es wäre wahrscheinlich keine schlechte Idee gewesen, einen Vorsprung zu bekommen, da das Wetter so miserabel war.
„Ich hole meine Tasche und treffe dich dort?" fragte sie.
„Klar. Wir sehen uns dann gleich."
Kurz bevor sich ihre Wege trennten, fiel Hermione eine Haarsträhne in die Augen, nach der Severus sofort griff und sie vorsichtig hinter ihr Ohr steckte. Sie atmete scharf ein, als er seine Hand einen Moment lang dort verweilen ließ. Er erstarrte, fast so, als wäre er genauso schockiert wie sie über das, was er getan hatte. Sie war sich sicher, dass ihr Gesicht genauso rot war wie das seine, als sie sich räusperte und ihm unbeholfen dankte.
Er trat einen Schritt zurück und rieb sich den Nacken.
„Ähm … richtig. Wir treffen uns also in – gleich , stammelte er.
„Genau", flüsterte Hermione.
Während sie sich auf den Weg zum Ravenclaw-Turm machte, konnte Hermione immer noch den Geist von Severus' Hand auf ihrer Wange spüren. Ihre Gedanken begannen zu schweifen und sie stellte sich vor, wie er sich zu ihr hinunterbeugte und wie sie sich auf die Zehenspitzen stellte, um den Abstand zwischen ihnen zu verringern, während er seine Lippen auf die ihren presste.
„Nein", sagte sie laut, woraufhin ein Junge in einem nahegelegenen Porträt, der gerade versuchte, Süßigkeiten von einem Küchentisch zu stehlen, aufschrie und aus seinem Rahmen in ein benachbartes Porträt lief.
„Tut mir leid", murmelte sie ihm zu, als er versuchte, sich hinter einem Schaf auf dem Feld zu verstecken, auf dem er jetzt stand.
Als sie in ihrem Gemeinschaftsraum ankam, saßen Edgar und Otto über ein Modell-Quidditch-Set gebeugt und gingen die Spielzüge für das bevorstehende Spiel gegen Slytherin durch.
„Hey, Hermione!" rief Otto zu ihr hinüber, während Edgar begeistert winkte.
Hermione lächelte und grüßte die Jungen, dann blieb sie stehen, um sich kurz zu unterhalten.
Otto versuchte, ihr zu erklären, worüber sie sprachen, aber wenn die Jungs von Quidditch sprachen, hätten sie genauso gut eine Fremdsprache sprechen können. Sie verstand immer noch nicht die Wrongski-Ohnmacht oder was auch immer das war. Also nickte sie meistens nur höflich und warf ein „Klingt wunderbar" oder „Das sollte funktionieren" ein, wenn es angebracht schien.
Als sie ihnen sagte, es täte ihr leid, aber sie müsse gehen, runzelte Edgar die Stirn.
„Du triffst ihn wieder, nicht wahr?" fragte er enttäuscht.
Hermione fühlte einen kleinen Stich der Schuld, als sie seinen Tonfall hörte. Sie hatte sich in letzter Zeit wirklich nicht mehr so viel Zeit für ihre MitbewohnerInnen genommen wie zu Beginn des Schuljahres. Auch wenn sie dort ein Ziel hatte, hätte es nicht geschadet, sich mehr um ihre FreundInnen zu bemühen.
Sie nickte. „Hausaufgaben", sagte Hermione, als ob das alles erklären würde.
„Du machst immer Hausaufgaben", jammerte Otto.
Es war ein Fehler, sie so an sich heranzulassen, das wusste sie tief in ihrem Inneren. Aber sie verdrängte diese Gedanken und versprach ihnen, dass sie sich den ganzen nächsten Abend mit ihnen und Amelia beschäftigen würde. Edgar und Otto waren sofort Feuer und Flamme und begannen zu planen, was sie anstelle der Schularbeit tun könnten. Hermione musste sie ein paar Mal daran erinnern, dass sie sich mit ihren Ideen an die Regeln der Schule halten mussten. Sie würde sich auf keinen Fall hinausschleichen, Besen stehlen und für eine Nacht nach Hogsmeade fliegen. Egal, wie oft sie sie anflehten.
Viel später als erwartet kam sie schließlich in der Bibliothek an und fand Severus, der hinten saß und auf seine Uhr sah. Als sie ihren Stuhl herauszog, um ihm gegenüber zu sitzen, runzelte er die Stirn.
„Was hat so lange gedauert?" fragte er.
Ein Teil von ihr nahm an, dass er sich Sorgen gemacht haben musste, dass sie nach dem, was vor ihrer Trennung geschehen war, nicht mehr auftauchen würde. Als sie ihre Bücher, eine Schreibfeder und ein Tintenfass aus ihrer Tasche nahm, seufzte sie.
„Otto und Edgar haben mich im Gemeinschaftsraum in die Enge getrieben."
Das kleine Aufblitzen von etwas, das wie Missbilligung in seinen Augen aussah, blieb ihr nicht verborgen. Sie wusste, dass Severus ihre Freunde nicht gerade mochte, denn er murmelte gewöhnlich etwas von ‚überheblichen Quidditch-Trotteln', wenn sie sie erwähnte.
Hermione versuchte, ihr Grinsen zu verbergen, als er finster dreinblickte und „Reizend" antwortete, obwohl sein Tonfall darauf hindeutete, dass er es alles andere als gut fand.
„Severus", schimpfte sie sanft. „Sie sind wirklich in Ordnung, wenn man sie erst einmal kennengelernt hat."
„Da bin ich mir sicher", sagte er in der trockenen Art, die Severus so eigen war.
Hermione lachte, als sie ihr Buch aufschlug.
„Gut. Fangen wir einfach an, ja?"
24. Oktober 1976
Der Ravenclaw-Gemeinschaftsraum war erfüllt von schallendem Gelächter, als Hermione und ihre FreundInnen ein Muggelspiel namens Wahrheit oder Pflicht spielten.
Otto hatte sich gerade bis auf die Hose ausgezogen und sang von einem Tisch in der Nähe der Wand das Hogwarts-Schullied in schräger Tonlage. Danach verschwanden die meisten Erst- und ZweitklässlerInnen, die offensichtlich von den älteren SchülerInnen eingeschüchtert waren.
Nachdem sich alle vom vielen Lachen erholt und beruhigt hatten, schaute Otto vorsichtig in der Gruppe hin und her, die alle versuchten, seinem Blick auszuweichen, in der Hoffnung, dass sie nicht die nächsten sein würden.
„Hermione", sagte er schließlich mit einem schelmischen Grinsen.
Sie bedeckte ihr Gesicht mit den Händen. Es war das erste Mal, dass sie dazu aufgefordert wurde, und da die meisten Mutproben darin bestanden, einige oder alle Kleidungsstücke zu verlieren, flüsterte sie „Ähm... Wahrheit" durch ihre Finger.
Einige stöhnten enttäuscht auf und jemand nannte sie einen Feigling, aber alle verstummten, nachdem Amelia ihnen zugerufen hatte, sie sollten still sein.
Otto strich sich über das Kinn und sah aus, als ob er tief darüber nachdachte, was er sie fragen sollte. Hermiones Handflächen schwitzten, während sie wartete. Aus dem Augenwinkel bemerkte sie, wie ein breites Lächeln über Ritas Gesicht huschte, bevor sie sich zu Otto hinunterbeugte und ihm etwas ins Ohr flüsterte. Seine Augen leuchteten auf und er gluckste.
„Perfekt!" rief er aus.
Rita warf Hermione einen arroganten Blick zu, während sie sich wieder in Lockharts Arme schmiegte.
„Also gut, Hermione", begann Otto. „Stimmt es, dass du eine Art geheime Beziehung mit Severus Snape hast?"
Sie hätte diese Frage kommen sehen müssen. Vielleicht wäre es für sie besser gewesen, wenn sie in BH und Unterhose gelandet wäre und etwas Lächerliches gesungen hätte.
Alle Augen waren auf sie gerichtet. Man hätte in diesem Moment eine Stecknadel im Gemeinschaftsraum fallen hören können.
„Sieh nur, wie rot ihr Gesicht ist!" rief Rita mit einem abfälligen Lachen. „Da hast du deine Antwort!"
„Nein – Ich ... da ist nichts – ", stammelte sie.
„Ach, hör doch auf, Hermione", sagte Alice. „Ihr seid doch die ganze Zeit zusammen. Und du lächelst nie so viel, wie wenn du mit ihm zusammen bist."
Hermione warf Amelia einen panischen Blick zu, aber die zuckte nur mit den Schultern.
„Es ist irgendwie wahr, Hermione", sagte Amelia leise.
Verräterin! rief Hermione in Gedanken.
„Es ist nichts Schlimmes daran. Auch wenn er ein bisschen eklig ist", sagte Dorcas kichernd zu ihr.
Eklig? Severus war nicht eklig! Er war ... nun ja, er war eigentlich ziemlich brillant.
Hermione war am Ende ihrer Kräfte. Sie stand schnell auf und starrte sie alle finster an.
„Zum letzten Mal, er ist nur ein Freund!" rief sie.
Die Augen aller Anwesenden weiteten sich angesichts ihres Ausbruchs.
„Und das ist grausam, Dorcas. An ihm ist überhaupt nichts Ekelhaftes. Im Gegenteil, er ist hochintelligent und ziemlich lustig, wenn man ihn erst einmal kennengelernt hat. Er ist ein guter Freund! Ein besserer, als ihr alle im Moment seid!"
Mit vor Wut geschwellter Brust wandte sie sich von der Gruppe ab und stürmte durch den Gemeinschaftsraum, ohne einen Blick in ihre Richtung zu werfen. Selbst als einige von ihnen ihren Namen riefen und sich hastig entschuldigten, blieb sie nicht stehen.
„Nun, Das ist ein klares Ja", hörte sie diese schreckliche Rita sagen, bevor sich die Tür hinter ihr schloss.
Als sie durch die Gänge stapfte, schienen ihre Füße sie automatisch zu dem einen Ort zu führen, der ihr immer Trost spendete: der Bibliothek.
Sie ging um die Tische herum und durch die Büchergänge, um den hinteren Tisch zu finden, den sie immer mit Severus teilte. In ihrem Kopf herrschte ein Wirrwarr aus Wut und Verwirrung. Warum war sie so wütend geworden?
Wem wollte sie etwas vormachen? Sie konnte es wirklich nicht länger leugnen. In dem Moment, als Dorcas ihn eklig nannte, wurde es ihr klar. Sie hatte Ron hinter sich gelassen und ihre Zuneigung galt jemand anderem. Jemandem, der mehr wie sie war. Jemandem, der Lernen und Wissen schätzte. Jemandem , der mit ihr diskutierte und sie herausforderte. Jemandem, der sie bis an ihre Grenzen trieb. Sie hatte sich tatsächlich in Severus Snape verliebt.
Die Frage war nun, was würde sie dagegen tun? Sie wusste nicht, wie lange sie in der Vergangenheit bleiben würde. Und je mehr sie darüber nachdachte, desto mehr Andeutungen hatte Severus gemacht, dass er möglicherweise auch Gefühle für sie entwickelte. Das Kunststück, das er am Tag zuvor mit ihrem Haar vollführt hatte, und die Art, wie er seine Hand auf ihrer Wange liegen ließ, waren mehr als ein Beweis dafür. Oder als sie zusammen im Boot saßen, von Angesicht zu Angesicht und die Spannung in diesem Moment so groß war, dass man sie hätte durchschneiden können.
Würde das Verfolgen einer Beziehung mit Severus am Ende Teil des Grundes sein, warum sie in diese Zeit zurückgeschickt wurde? Würde sie ihm auf diese Weise helfen, ihm seinen Wert zu zeigen? Und wenn sie es tat, würde sie ihn nur verletzen, wenn sie in ihre eigene Zeit zurückkehren müsste?
Es gab viel zu bedenken, und sie wusste, dass sie keine voreiligen Entscheidungen treffen durfte. Außerdem war es durchaus möglich, dass sie die Zeichen, die sie bei ihm zu sehen glaubte, falsch gedeutet hatte.
Sie brauchte etwas Zeit, um über die Dinge nachzudenken. Vielleicht sogar ein paar Tage weg von Severus, um einen klaren Kopf zu bekommen.
Plötzlich packte eine Hand ihre Schulter, und sie zuckte heftig zusammen.
„Hermione? Geht es dir gut?" fragte Severus' Stimme leise hinter ihr.
Als sie sich umdrehte und in diese tiefschwarzen, besorgten Augen blickte, wusste sie auf Anhieb, dass sie sich nicht von ihm fernhalten konnte. Nicht einmal für ein paar kurze Tage.
Verdammt, dachte sie.
