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3. Dezember 1976

Da Weihnachten nur noch wenige Wochen entfernt war, überlegte Hermione, was sie Severus schenken sollte. Sie hatten nicht darüber gesprochen, Geschenke auszutauschen, und sie hatte auch nicht wirklich etwas von ihm erwartet, aber sie wollte ihm etwas schenken, das ihn an sie erinnern würde. Denn sie wusste, dass sie ihn eines Tages verlassen würde müssen. Die Frage war nur, was würde ihm gefallen?

Sie wollte ihm etwas Praktisches schenken, etwas, von dem sie wusste, dass er es viele Jahre lang behalten konnte. Praktisch, aber auch etwas Besonderes. Am Freitagabend saß sie in ihrem Bett und blätterte faul durch die Seiten des Tagespropheten, wobei sie den Abschnitt mit den verschiedenen Geschäften in der Winkelgasse und in Hogsmeade überflog. Zwar stand vor den Ferien noch ein weiterer Ausflug in das Zaubereidorf an, aber da sie wahrscheinlich mit Severus unterwegs sein würde, schien es ihr am besten, sein Geschenk per Eulenbestellung zu besorgen.

Ihr Blick schweifte über das übliche Sammelsurium – verzauberte Rasiermesser, teure Federkiele, Hüte und andere Kleidungsstücke, Schmuck und andere Dinge, die ihr nicht ins Auge sprangen. Dann, als sie zur nächsten Seite blätterte, sah sie es. Sie fand das perfekte Geschenk. Es war ein Rührstab aus Wolfram. Sie erinnerte sich daran, dass Wolfram den höchsten Schmelzpunkt aller reinen Metalle hatte, so dass sie davon ausging, dass er selbst für die heißesten Tränke geeignet war und hoffentlich ein Leben lang halten würde.

Nachdem sie ihre Feder und ein Tintenfass hervorgeholt hatte, füllte Hermione den Bestellschein aus, wobei sie darauf achtete, dass sie auch einen Zettel mit ihren Wünschen auf den Umschlag zauberte. Sie schaute schnell auf die Uhr, holte das Geld für die Bestellung, versiegelte den Umschlag und eilte aus dem Schlafsaal, in der Hoffnung, dass sie es vor der Ausgangssperre zur Eulerei schaffen würde.

Als sie sah, wie die braune Eule mit ihrer Bestellung davonflog, lächelte sie und hoffte, dass ihm sein Geschenk gefallen und er es gut gebrauchen würde.

Sie ließ sich Zeit, die Treppe hinunterzusteigen, blickte in den Sternenhimmel und ließ sich den Wind durchs Haar wehen, als sie plötzlich erstarrte. Severus würde sein Geschenk nutzen. Viele Jahre lang, um genau zu sein.

ooo

Hermione fluchte leise vor sich hin, als sie in ihrer Tasche kramte, während sie im fünften Jahr Zaubertränke hatte. Sie hätte schwören können, dass er da drin war, und ohne ihn konnte sie ihren Zaubertrank wohl kaum richtig brauen. Verdammt, dachte sie, als ihre leere Hand aus der Tasche kam.

Snape würde ihr mit Sicherheit Punkte abziehen. Er fand immer einen Grund, um Gryffindor Punkte abzuziehen. Trotzdem holte sie tief Luft und hob ihre Hand hoch in die Luft.

Sie sah, wie Snape sie von seinem Schreibtisch aus ansah, doch er antwortete ihr nicht sofort. Warum auch immer, er ließ sie immer warten, wenn sie eine Frage hatte oder sich mitten im Unterricht zu Wort meldete.

Hermione fixierte ihn mit ihren Augen, setzte sich aufrecht hin und weigerte sich, ihren Arm zu senken, bis er sie aufforderte. Warum hasste er sie so sehr?

Snape atmete laut aus, konzentrierte sich aber weiter auf das Papier, auf das er gekritzelt hatte.

Ein Problem, Miss Granger?" murmelte er.

Bitte, Sir. Ich scheine meinen Rührstab, den ich für diesen Trank brauche, verlegt zu haben." Sie zuckte zusammen und wartete darauf, dass er sie ausschimpfte und ihr Punkte abzog.

Snape verdrehte die Augen und schnaufte ärgerlich.

Idiot." Sie hörte Ron neben sich flüstern. Harry schnaubte.

Offenbar hatte er es nicht leise genug geflüstert. „Nachsitzen, Weasley!" schnauzte Snape. „Und fünf Punkte Abzug für Gryffindor."

Hermione stöhnte ebenso wie der Rest der Gryffindors in der Klasse, während Rons Ohren knallrot wurden.

Er hatte immer noch nicht auf Hermione geantwortet, die geduldig zu ihm aufsah. Sie wartete, während er die oberste Schublade seines Schreibtisches öffnete und ein verblasstes grünes Taschentuch herauszog, das er entwirrte und in dem sich ein langer Metallgegenstand zu befinden schien.

Sie war sich nicht sicher, ob sie es sich eingebildet hatte oder nicht, aber sie glaubte, einen Hauch von Traurigkeit in seinen Augen zu sehen, als er auf das blickte, was sie für einen Rührstab hielt. Doch schnell wurde sein Gesicht wieder kalt und gleichgültig, als er sich ihrem Tisch näherte.

Während er über ihr stand, so einschüchternd und imposant wie immer, unterdrückte Hermione ein Frösteln und weigerte sich, den Blickkontakt zu unterbrechen, um ihm nicht zu zeigen, wie eingeschüchtert sie wirklich von diesem Mann war. Was sie überraschte, war, dass sie nicht die übliche Abscheu in seinen Augen fand, als er auf sie herab blickte. Unter der Oberfläche brodelte etwas, das sie nicht genau zuordnen konnte.

Als er ihr den Rührstab reichte, räusperte er sich. „Seien Sie bitte vorsichtig damit, Miss Granger. Er stammt aus meiner persönlichen Sammlung und ist schon länger in meinem Besitz, als Sie leben."

Hermione schluckte und hielt ihn vorsichtig, da sie Angst hatte, ihn auch nur anzuhauchen.

Ja, Sir. Danke."

Er verweilte eine Sekunde länger, als er es sonst je getan hatte, bevor er sich umdrehte.

Zehn weitere Punkte von Gryffindor für Ihre Vergesslichkeit", sagte er, während er zu seinem Schreibtisch zurückging.

Als sie ihn in der Hand umdrehte, sank ihr das Herz, als sie bemerkte, dass das Metall zerkratzt war. Für einen Moment geriet Hermione in Panik, weil sie dachte, sie hätte ihn bereits beschädigt, aber dann bemerkte sie, dass die Markierungen eine Inschrift waren.

‚Für Severus, in Liebe. - H xx'

Sie fragte sich kurz, ob es ein Geschenk eines Verwandten gewesen war, denn sie konnte sich nicht vorstellen, dass irgendjemand jemals eine intime Beziehung mit jemandem hatte, der so mürrisch und schlecht gelaunt war wie er.

Mit einem Achselzucken wandte sie sich wieder ihrer Aufgabe für den Tag zu und bemerkte nicht, dass Snapes Blick sie die ganze Zeit über nicht verlassen hatte.

ooo

„Oh mein Gott...", flüsterte sie vor sich hin.


4. Dezember 1976

Samstagnachmittag saßen Hermione und Severus an ihrem üblichen Tisch in der Bibliothek, die Bücher zwischen ihnen beiden auf dem Tisch ausgebreitet. Sie lernten für die Prüfungen, doch Hermione konnte sich nicht konzentrieren, jetzt, wo sie sich an den Vorfall in ihrer Zaubertränkestunde erinnerte. Ihr war klar geworden, dass Severus ihr diesen speziellen Rührstab nicht ohne Grund gegeben hatte. Er wollte sie wissen lassen, dass er sich erinnerte. Aber was hätte er ihr sonst noch sagen wollen? War es möglich, dass er sie noch mochte? Das ist absurd, sagte sie sich.

Bis er aufblickte und sie anlächelte, hatte sie nicht bemerkt, dass sie wieder gestarrt hatte.

„Siehst du etwas, das dir gefällt?" fragte er mit einem halben Grinsen.

Hermione errötete tief, weil sie ertappt wurde und weil die Antwort auf seine Frage ein klares Ja war. Sie lachte leise, zerknüllte ein kleines Pergamentknäuel und warf es nach ihm.

Ohne ein weiteres Wort ging sie wieder an ihre Arbeit, oder versuchte es zumindest. Sie begann wieder über das Gegengift nachzudenken. Woher sollte sie wissen, ob es ihr überhaupt gelang, ein solches herzustellen? Normalerweise testeten Zauberer ihre neuen Tränke an Hauselfen, was absolut nicht in Frage kam. Was, wenn es den Elfen vergiftet hätte? Sie hätte es sich nicht verzeihen können, wenn sie einem dieser freundlichen Geschöpfe etwas angetan hätte. Das Einzige, was ihr einfiel, war, es an sich selbst auszuprobieren. Aber wie? Sie wäre kaum in der Lage, in die nächste Apotheke zu gehen und eine Flasche ihres feinsten Schlangengifts, das mit der dunkelsten Magie versetzt ist, zu bestellen.

Bei jedem Schritt vorwärts hatte sie das Gefühl, zwei Schritte zurück zu gehen. Ein schwerer Seufzer entfuhr ihr.

„Steckst du wo fest?" fragte Severus, der ihre Frustration falsch einschätzte.

Hermione schüttelte den Kopf.

„Nein. Ich langweile mich nur", log sie.

Er warf einen Blick auf seine Uhr und lächelte dann Hermione an.

„Wir sind jetzt schon fast 4 Stunden dabei. Sollen wir für heute Schluss machen?"

Sie nickte und begann, ihre Sachen zusammenzupacken. Vielleicht war es eine gute Idee, aus der ruhigen Bibliothek herauszukommen, da ihre Gedanken zu sehr abschweiften. Wenn sie spazieren gingen oder etwas anderes taten, als zu lernen, konnte das vielleicht helfen, sie abzulenken. Sie brauchte dringend eine mentale Pause.

Während sie händchenhaltend den Korridor entlanggingen, begann Severus, mit seinem Daumen über ihre Knöchel zu streichen.

„Hermione? Ist alles in Ordnung mit dir? Du scheinst heute ein wenig abgelenkt zu sein", fragte Severus.

Sie musste sich zusammenreißen, rügte sie sich selbst. Es wäre nicht gut, wenn sie jedes Mal, wenn eine neue Offenbarung sie traf oder ein Rückschlag eintrat, all ihre Gefühle zeigen würde. Mit einem gezwungenen Lächeln im Gesicht zog sie ihn zum Stehen und stellte sich auf die Zehenspitzen, um ihm einen sanften Kuss auf die Lippen zu geben. Als sie sich zurückzog, leuchteten seine Augen auf.

„Alles ist gut. Versprochen. Nur Bammel vor den Prüfungen, nehme ich an", sagte sie und hoffte, dass er ihr das abnahm.

Severus strich ihr das Haar hinters Ohr und nahm ihre Wange in seine Hand.

„Du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Du bist brillant, das weißt du", sagte er ihr.

Wieder spürte sie das Flattern in ihrem Magen bei seinen Worten und der Art und Weise, wie seine Augen in ihre bohrten. Sie fragte sich, ob er schon immer die Fähigkeit hatte, so charmant zu sein, oder ob es ihre aufkeimende Romanze war, die es aus ihm herausgeholt hatte.

„Danke, Severus", antwortete sie leise.

Er drückte seine Lippen auf ihre Stirn, dann setzten die beiden ihren gemächlichen Gang durch den Korridor fort. Es war noch nicht ganz Zeit für das Abendessen, aber keiner der beiden wollte sich schon vom anderen trennen. Severus fragte sie, ob sie an ihrem Projekt für ihre Lehre weiterarbeiten wolle, aber Hermione verneinte. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt schon seit Wochen fast jede Nacht daran gearbeitet, und sie hatte einfach Lust auf einen freien Tag. Sie schlug vor, in einem der leeren Klassenzimmer weiter mit nonverbalen Zaubern zu üben, dem Severus zustimmte. Er hatte sich sehr verbessert, seit er sie vor zwei Monaten zum ersten Mal um Hilfe gebeten hatte, aber er hatte es immer noch nicht so perfektioniert, wovon sie wusste, dass er es eines Tages tun würde.

Als die beiden den dunklen Raum betraten, schwenkte Hermione ihren Zauberstab und zündete die Kerzen an den Wänden an. Sie stellte ihre Schultasche ab und verwandelte einige der Tische in große flauschige Kissen. Mit einem weiteren Schwung ihres Zauberstabs beförderte sie die restlichen Tische an die Wände, um Platz dafür zu schaffen, wenn die beiden sich schließlich wortlos duellieren würden.

Severus' Augen weiteten sich immer noch jedes Mal, wenn Hermione ihren Zauber lautlos ausführte, und jedes Mal, wenn sie seine Reaktion bemerkte, spürte sie, wie ihr die Hitze ins Gesicht stieg.

„Womit möchtest de heute beginnen?" fragte sie, fast wie eine Professorin klingend.

Er zog eine Augenbraue hoch und ein verschmitztes Grinsen zeichnete sich auf seinen Lippen ab.

„Was hältst du von einem kleinen Freundschaftsduell?"

Hermione grinste ihn an und schüttelte den Kopf. Er hatte sie in all der Zeit, in der sie zusammen waren, noch nicht geschlagen.

„Wie ich sehe, hast du Lust, dir heute Nachmittag in den Hintern treten zu lassen", stichelte sie spielerisch.

Als sie sich umdrehte, um ihren Mantel auszuziehen, schrie sie auf, weil sie das Gefühl hatte, um den Knöchel gewickelt und in die Luft geschleudert zu werden, wo sie kopfüber baumelte.

„Severus Snape!" rief sie.

Severus überschlug sich vor Lachen.

„Du bist so was von erledigt", knurrte sie durch die Zähne, was ihn nur noch mehr zum Lachen brachte.

Mit einem Zucken seines Zauberstabs ließ er sie sanft auf den Boden sinken, immer noch unfähig, sich das Lachen zu verkneifen. Ihr langes schwarzes Haar, das sie immer mit einem Zauber geglättet und gebändigt hatte, hing nun wild in ihrem Gesicht, und ihre Roben waren zerzaust. Sie wusste, dass sie eine Augenweide sein musste, aber sie konnte das Kichern nicht unterdrücken, das ihr entfuhr.

„Glaube nicht, dass ich nicht wütend bin, nur weil ich lache, Severus", versuchte sie mit Überzeugung zu sagen, klang aber selbst in ihren eigenen Ohren nur halbherzig.

Severus verdrehte die Augen und schnaubte.

„Klar bist du das, Hermione."

Sie nutzte seinen Moment der Ablenkung aus und schickte ihm lautlos einen Beinklammerfluch,. Jetzt war sie an der Reihe zu lachen, als seine Augen sich weiteten und seine Beine gerade wurden und zusammenklebten. Sie war völlig aus dem Häuschen, als er für eine Sekunde wippte und dann direkt auf eines der Kissen fiel, die sie verwandelt hatte.

Ein leises Knurren kam von ihm, als er landete.

„Geschieht dir recht", sagte sie und streckte ihm die Zunge heraus.

Er wackelte hin und her und sah dabei aus wie eine Schildkröte auf dem Rücken, bevor er zu ihr aufblickte.

„Bisschen Hilfe?", schnauzte er und sah eher wie der Mann aus, den sie in ihrer Jugend kannte, als wie der Mensch, der ihr jetzt wichtig war.

Sie hielt sich den Mund zu und versuchte, sich das Lachen zu verkneifen, als er wieder zu ihr hoch blickte.

„Hermione!"

Sie hatte Mitleid mit ihm, ging hinüber und streckte ihren Arm aus, um den Gegenfluch auszuführen. In dem Moment, in dem sie das tat, schrie sie auf, als er sie am Handgelenk packte und sie auf sich herunterzog.

Ihr Herz pochte, als ihr Körper zum ersten Mal so innig an seinen gepresst wurde. Seine Augen wechselten von hell und verspielt zu dunkel und glühend. Sie schluckte hörbar und biss sich auf die Lippe, als sie plötzlich spürte, wie sich ihr ganzer Körper erhitzte.

„Du hältst dich für witzig, nicht wahr?" fragte er mit tiefem Bariton.

Hermione zitterte.

„Nur ein bisschen", antwortete sie und klang außer Atem.

Er stieß ein tiefes Glucksen aus, bevor er beide Arme um ihre Taille schlang und seine Lippen auf die ihren presste. Sie hatten sich vorher schon einige Male geküsst, aber jetzt war es anders. Vorbei waren die süßen und unschuldigen Küsse, jetzt waren sie in einem Anfall von Leidenschaft miteinander verschlungen, von dem sie sagen konnte, dass sie ihn beide zurückgehalten hatten.

Sie spürte, wie seine Zunge leicht ihre Lippen streifte, und sie öffnete sich, um ihre Lippen miteinander zu verbinden. Seine Hände zogen an ihrem Haar, während sie ihre Finger in seine Schultern grub. Sie quietschte überrascht auf, als er sich unter ihr bewegte, sie auf den Rücken drehte und über ihr schwebte.

Während sie mit den Fingern über seinen Rücken fuhr, staunte sie über das Gefühl, das er vermittelte. Sie hatte Knochen erwartet und sich nicht vorstellen können, über welch schlanke Muskeln ihre Hände fuhren. Sie trank ihn durstig ein, als wäre er die erste Flasche Wasser, die sie nach monatelangem Umherstreifen in der Wüste gesehen hatte. Sein Duft umgab sie und füllte sie aus. Der Duft, der Severus auch als Erwachsener noch auszeichnete, Sandelholz und etwas fast Erdiges. In ihrem Kopf wirbelten Gedanken und Gefühle durcheinander, als sie spürte, wie seine Finger unter ihren Pullover wanderten und leicht über die nackte Haut an ihren Seiten strichen. Sie wollte, dass er weitermachte, aber sie wusste auch, dass sie aufhören mussten, aber wenn er nicht weitermachte, würde sie sicher verbrennen.

Als sein Mund ihren verließ und ihren Hals hinunter wanderte, wobei seine Zähne sanft in ihr Fleisch gruben, kam sie zur Besinnung. Das war nicht richtig. Es ging viel zu schnell. Obwohl sie sich mehr als gewünscht hätte, dass es weiterging, mussten sie aufhören.

„Severus", keuchte sie.

Er brummte leise, küsste aber weiter ihren Hals.

„Severus", wiederholte sie, diesmal ein wenig energischer, und drückte sanft seine Schultern.

Als er zu ihr hinunterblickte, runzelte er die Stirn und ein kleiner Schmollmund umspielte seine Lippen.

„Es – es tut mir leid, Hermione", sagte er, ebenfalls sehr durch den Wind. „Wir sind zu schnell unterwegs, nicht wahr?"

Sie lächelte ihn an, in der Hoffnung, ihn zu beruhigen, dass sie nicht wütend war, denn sie konnte an seinem Gesichtsausdruck und seinem Tonfall erkennen, dass er sich Sorgen machte.

Hermione legte ihre Hand auf seine Wange und gab ihm einen kleinen Kuss auf die Lippen.

„Es ist nicht so, dass ich – ich nicht", ihr Atem stockte. „will. . Es ist nur, dass... nun ja. Noch nicht."

„Du bist nicht sauer auf mich?", fragte er.

Hermiones Augen weiteten sich.

„Natürlich nicht! Ich habe gehofft, du bist nicht sauer auf mich", gab sie zu.

Er schüttelte den Kopf. „Niemals."

Sie war froh, dass er nicht wütend auf sie war, als er sich auf die Seite rollte und sie näher an sich heranzog, so dass ihr Kopf auf seiner Brust ruhte. Sein Herz schlug genauso schnell wie ihres, stellte sie fest, als sie dort lag.

„Ich würde dich nie zwingen, etwas zu tun, womit du dich nicht wohlfühlst. Das weißt du doch, oder?" fragte er und küsste ihren Scheitel.

Hermiones Herz schlug höher. Er klang in diesem Moment so aufrichtig. Severus erstaunte sie immer wieder, wie anders er in seiner Jugend gewesen war. Wenn sie ihn doch nur für immer so lassen könnte. Ihre Augen prickelten bei dem Gedanken an den gebrochenen und verbitterten Mann, der er eines Tages werden würde. Dass sie ihn schon vorher kannte, machte es noch viel herzzerreißender. Und zu wissen, dass sie nichts tun konnte, um den Weg zu verhindern, den sein Leben nehmen würde, war fast zu viel für sie.

„Das tue ich, Severus", stieß sie hervor, und ihre Kehle schnürte sich vor Emotionen zu.

Die beiden lagen fast eine Stunde lang an dieser Stelle und redeten einfach nur. Sie sprachen über ihre Kindheit, was Hermione wiederum sehr berührte, da er viel mehr über seine schreckliche Erziehung erzählte als zuvor. Er sprach ausführlich darüber, wie misshandelnd sein Vater war, sowohl ihm als auch seiner Mutter gegenüber. Sie empfand einen starken Hass auf diesen Mann, der dem Hass auf Vernon und Petunia Dursely in nichts nachstand, obwohl sie Harry gegenüber nie zugegeben hatte, wie sehr sie seine vernachlässigende Tante und seinen Onkel verachtete.

Er sprach von seinen Hoffnungen für die Zukunft, was sie traurig stimmte, als er versuchte, sie in einige dieser Pläne einzubeziehen. Wie zum Beispiel die traditionelle Weltreise, die einige SchülerInnen nach dem Verlassen von Hogwarts unternahmen. Die Hoffnung und der wehmütige Ton in seiner Stimme führten sie fast ins Verderben, als sie gegen den Drang zu weinen ankämpfte.

Sie wusste, dass sie nie in der Lage sein würde, diese Reisen mit ihm zu unternehmen, aber für einen kurzen Moment tat sie so, als sie darüber sprachen, wohin sie reisen und welche Sehenswürdigkeiten sie alle anschauen wollten. Wenn sie mit ihrer Mission Erfolg hatte, würden sie es eines Tages vielleicht gemeinsam tun können. Nein, dachte sie sich, wenn sie Erfolg hätte, würden sie eines Tages reisen.