XXIII

"Schon mal was von Seelenverwandten gehört?"

C:"Dies war ein sehr emotionaler Moment, der mich zum ersten Mal richtig berührte. Von dort an begann unsere Freundschaft. Nein, es war keine Freundschaft. Es war mehr als das..."

M:"Mehr?"

C:"Ja, mehr wie...'runzelt die Stirn und sucht nach den richtigen Worten.' ...er war wie ein Bruder. Ja, ich glaub ich sah in ihm einen Bruder."

M:"Oh, wie toll. Endlich mal was sehr Positives für dich."

C:"Ja, wir hatten viele tolle Momente zusammen. Bis zu jenem Vorfall."

M:"Verstehe. Magst du uns von euren tollen Momenten erzählen?"

C:"Klar, warum nicht."

Ich erinnere mich an eine Situation, die mir schon etwas unangenehm war. Zack war halt einfach Zack. Ihm war wirklich nichts unangenehm. Er hatte oft sein Herz auf der Zunge. Nicht umsonst hatte er seinen Spitznamen 'Welpe'.

Überall wo er mich traf freute er sich tierisch mich zu sehen. Wie an den einen Morgen als wir auf dem Platz aufmarschieren sollten, um neue Formationen zu lernen. Es lag eine Parade an.

"FORMATION HALT!"

Wir standen in der Formation und hielten das Gewehr nach oben.

"FORMATION AUFLÖSEN!"

Geschafft. Der ganze Trupp rührte sich und nahm das Gewehr runter. Wir waren fertig und durften uns rühren. Leo und Sam standen jeweils rechts und links neben mir, bis ich bemerkte das einige SOLDATEN aufmaschierten. An diesem Morgen hatte ich selbst Ihn zum aller ersten Mal persönlich zu Gesicht bekommen.

Ich war sehr aufgeregt, als ich sein unverkennbares silberfarbenes Haar in der Masse von uns Soldaten aufblitzen sah. Stolz und anmutig schritt er an uns allen vorbei und hatte Zack mit im Schlepptau.

"Hey, Cloud!", rief er und rannte an Sephiroth vorbei, als er mich entdeckte, um dann vor mir stehen zu bleiben.

Ich rieb mir verlegen den Hinterkopf und lächelte ihm zu.

"Hi Zack..."

Ehe ich mich wehren konnte, klebte er an mir und knuddelte mich. Die anderen allen schauten verdutzt zu.

"Schön dich zu sehen und zu wissen, dass es dir gut geht."

Ich war sprachlos und wusste ehrlich nicht, wie ich reagieren sollte, da Sephiroth nun auch unmittelbar vor uns stand.

"Lass den jungen Soldaten mal Luft holen, Welpe. Sonst erstickt er gleich noch.", sprach Sephiroth und ließ ein leichtes Lächeln über seine Lippen wandern.

Ich war wie erstarrt und konnte nicht reagieren, da ich von Zack so fest gedrückt wurde.

"Ach was, das kann er ab.", sagte er und ließ mich dann doch allmählich los. Zack richtete mich wieder ordentlich auf und klopfte mir auf die Schulter.

"Sehen wir uns später? Würde gerne mal ungestört mit dir ein wenig plaudern."

"Okay, klar, kein Problem.", antwortete ich ihm, als er sich dann wieder hinter Sephiroth einreihte.

Zack war wirklich ein kleiner Wirbelwind und mochte es immer gern, andere mit vollem Körpereinsatz nieder zu strecken. Ich war es so am Anfang gar nicht gewohnt, aber gewöhnte mich doch recht schnell an diese Geste von ihm.

Nach dem Üben auf dem Platz machte ich mich auf den Weg in unser Wohnheim. Für heute war der Rest des Tages frei. Ich ließ mein Gewehr und meinen Helm in meinem Spinnt.

"PIEP"

Eine Nachricht auf meinem Telefon. Die anderen Jungs im Zimmer zogen sich um und wollten ein bisschen durch die Stadt spazieren. Auch mich hatten sie gefragt, ob ich sie begleiten möchte.

"Nein heute nicht. Ich habe mich mit jemand anderem verabredet. Nächstes Mal bestimmt."

"Ist gut. Bis später Cloud."

Ich setzte mich auf mein Bett und las die Nachricht.

"Hey Cloud

Treffen wir uns im Foyer?

Zack

Ich seufzte hörbar aus und schmiss mich einen kurzen Moment quer aufs Bett und schloss die Augen. Als ich so darüber nachdachte, merkte ich, dass ich diesen Kerl einfach gerne möchte. Er hatte einfach genau das was ich nicht hatte. Er war charmant, gutaussehend und ihm war nichts zu schade.

'Ich wünschte, ich wäre nur ein bisschen wie er. Dann hätte ich wirklich keinen Grund Tifa nicht zu gefallen. Es würde mir so vieles leichter fallen.'

Wieder klingelte mein Handy. Ich schaute kurz rauf und sah, dass es nur Spam war. Also raffte ich mich auf und machte mich auf den Weg ins Foyer.

Als ich dort ankam, saß Zack schon wartend auf einem der Bänke. Langsam ging ich auf ihn zu. Noch hatte er mich nicht bemerkt, also setzte ich mich zu ihm.

"Hey,..", kam es recht schüchtern aus mir heraus, während ich verlegen zu Boden schaute. Doch von ihm kam keine Reaktion.

'Hatte ich mich verguckt? Ist es gar nicht Zack, der neben mir saß?'

Leicht schockiert und irritiert schaute ich über meine Schulter.

"Zack...?", fragte ich leise nach.

Nun rührte er sich und legte seine Arme um mich. Ich erstarrte wieder unter seiner Berührung.

"Schön, dass du Zeit gefunden hast. Ich brauch mal jemand anderes mit dem ich über gewisse Dinge reden kann."

Er klang etwas bedrückt. Obwohl wir uns beide noch gar nicht so gut kannten, vertraute er mir doch schon so tief. Aber auch ich fühlte ihm gegenüber das gleiche.

"Okay, was bereitet dir Kummer? Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich dir eine Hilfe sein kann."

"Du bist hier und hörst mir nur zu. Das ist schön, mehr als ausreichend."

Nun ließ er fast sein komplettes Gewicht auf meinen Schultern ruhen. Selbst seinen Kopf bettete er auf meine Schulter.

"Ich habe meinen Mentor verloren. Angeal. Er war alles für mich..."

Schockiert über das, was er mir erzählte stockte mir der Atem.

"... Ehrlich gesagt habe ich ihn getötet...", sprach er und seine Stimme klang, als würde sie brechen. Reflexartig griff ich mit meiner Hand nach seinen Händen um meine Schulter. Er schluchzte und begann letztendlich zu weinen.

"Es tut mir aufrichtig leid, dass du so einen Verlust erlitten hast...",versuchte ich, ihn etwas zu beruhigen.

Zack weinte eine ganze Zeit. Ich ließ ihn einfach und unterbrach ihn nicht. Ich ließ ihn einfach weiter an meiner Schulter weinen.

"Angeal war wie ein Bruder für mich...", begann er letztendlich weiter zu erzählen, nachdem er die emotionale Welle überwunden hatte.

"Deshalb warst du eine ganze Zeit untergetaucht. Ich dachte mir schon, dass was passiert sein musste."

"Cloud, es gibt Momente hier, da will ich einfach nur noch weg von hier. Glaub mir SOLDAT ist nicht so toll..."

Ich löste mich von ihm, um mich nun besser an ihn zu richten.

"Vielleicht solltest du dir eine Auszeit gönnen. Aber, gib SOLDAT nicht auf.", versuchte ich ihn aufzumuntern.

Er grinste leicht beim Gedanken von Urlaub.

"Würdest du mich begleiten Cloud?"

"Klar würde ich schon. Aber es ist uns leider nicht erlaubt."

Enttäuschung huschte über sein Gesicht.

"Schade. Warum ist das eigentlich so?"

"Tja, beschwere dich beim Boss. Im Grunde ist das 'Hier' auch nicht gern gesehen."

Zack nickte nur und beruhigte sich allmählich wieder.

"Hast du Hunger?", fragte Zack mich, stand auf, während er versuchte, unbemerkt seine Tränen wegzuwischen.

"Hm geht so, warum?"

"Ich lade dich ein."

Er hielt mir die Hand hin wie ein Gentleman. Ich stand einfach auf und ignorierte seine freundliche Geste.

"Worauf hast du Bock? Italienisch, Asiatische oder doch Steak?"

"Ich habe ehrlich gesagt keinen großen Hunger.", versuchte ich, ihn etwas zu bremsen.

"Komm schon Alter, du musst mal was ordentliches essen."

Er schmiss lässig seinen Arm um meinen Hals und ging mit mir hinaus durch den Haupteingang. Nun hatte ich keine Möglichkeit mich zu wehren und war nun verdonnert, mit Zack essen zu gehen. Wir entschieden uns tatsächlich für ein Steakhouse. Im Grunde hatte Zack entschieden.

Es war ein angenehmer Nachmittag mit ihm. Wir hatten viel gelacht. Er weiß es einfach, wie man jemanden zum Lachen bringen kann. Mit Zack vergisst man einfach alles um sich herum.

"Oh man, ich muss dir demnächst unbedingt mal jemanden vorstellen."

"Ach ja? Wen denn?", fragte ich lachend neugierig nach.

"Ein Mädchen."

Er trug ein Grinsen auf dem Gesicht, was alles verriet.

"Okay, ich bin gespannt.", sagte ich nur und nahm einen kräftigen Schluck vom Krug vor mir. Ich schüttelte mich. Seit wann trank ich eigentlich Bier?

"Na, was machst du denn für eine seltsame Grimasse Cloud? Sag bloß dir schmeckt das Bier nicht?", lachte Zack, als er mein Schütteln bemerkte.

"Ne ganz ehrlich, Bier bekommt mir nicht so..."

Zack lachte laut über meine Bemerkung und nahm daraufhin einen extra großen Zug von seinem Bier. So kannte ich ihn. Unbeschwert und gut gelaunt.

Nach dem Essen gingen wir noch etwas durch die Straßen von Midgar spazieren. Wir unterhielten uns unbeschwert über alles. Auch ich erzählte ihm alles über mich so gut ich konnte. Bis wir an einem Spielplatz aufhielten. Wir beide kletterten auf das Gerüst und schauten nach oben in den Himmel.

"Der Himmel hier ist halb schon wie der in meiner Heimat Gongaga."

"Stimmt, in Nibelheim ist der Himmel auch deutlich klarer als hier."

Beide schauten wir auf dem trüben und dunklen Nachthimmel der Stadt. Plötzlich spürte ich, dass Zack ganz dicht neben mir war. Leicht schockiert über sein dichtes Anrücken versuchte ich, etwas Abstand zu gewinnen.

"Tut mir leid, ich wollte dich nicht erschrecken. Mir war grad nur etwas nach… Ach vergiss es.", druckste er rum und schaute verlegen zur Seite.

"Ich wollte dir wirklich nicht zu nahe treten, Cloud. Aber ich mag dich echt gern. Und, ich genieße die Zeit mit dir gerade sehr."

'Was ging hier gerade vor? Worauf wollte Zack hinaus?'

Ich schaute verlegen zur anderen Seite und merkte eine seltsame Wärme in mir aufsteigen.

'Irgendwas läuft hier verkehrt.'

"Ich weiß nicht, ich habe das Gefühl, dass zwischen uns etwas besonderes ist. Was ich selber nicht erklären kann. Ich würde dir alles anvertrauen."

"Okay..", gab ich ihm nur knapp zur Antwort. Ich wusste nicht, worauf er hinaus wollte.

"Ich mein, sowas wie jetzt gerade, habe ich noch nie zu einem gefühlt."

Wieder einmal sitzt ein Kerl mir gegenüber und versucht irgendwelche Gefühle zu äußern. Aber dieses Mal ist es wirklich anders.

"Ach, vergiss es einfach. Ist nicht so wichtig."

"Wie kommst du darauf? Ich glaub du bist da nicht der einzige, der so fühlt."

Nun blickten wir uns an.

Genau wie bei mir lag eine Röte über seiner Nase.

Zack zögerte und blickte verlegen immer und immer wieder nach unten, bis er seine Hände hob und mich an der Schulter festhielt.

'Was hat er vor?'

"Ich habe das noch nie gemacht, aber ich wage es einfach mal."

Ich ließ ihn einfach machen, wonach ihm war.

'Es wird nur eine umarm…Nein. Er legte tatsächlich seine Lippen auf meine.

Er gab mir tatsächlich einen Kuss.

Warum tat er das?'

Doch wehren konnte ich mich auch nicht.

Mein Körper war wie erstarrt.

Es vergingen gefühlt Minuten, bis er meine Lippen wieder losließ. Schock lag deutlich auf meinem Gesicht

Zack schaute mich an und wedelte mit der Hand vor meinem Gesicht. Ich kam noch immer nicht drauf klar, was gerade passiert ist.

"Cloud? Sag doch was. Alles in Ordnung?"

Ich blinzelte ein paar Mal und schaute Zack an. Er sah sehr besorgt aus und wusste selber nicht, was er gerade getan hatte.

"Tut mir leid, ich hätte das nicht..."

Eine Kurzschlussreaktion von mir ließ meine Lippen wieder auf seine fliegen. Ich umklammert sein Shirt so fest das es fast gerissen war.

Aus dem stürmischen Kuss meinerseits wurde allmählich ein ruhiger, recht intensiver Kuss.

'Mein Gott, was kann Zack gut küssen. Ich möchte gar nicht aufhören. Ob er das gleiche auch von mir denkt?'

Langsam löste er sich von mir und holte Luft.

"Wahnsinn, was ist das? Du kannst verdammt gut küssen.", staunte er über unser kleines Experiment.

"Du aber auch...", gab ich lächelnd und verlegen zurück. Vorsichtig zog ich den Schal meiner Uniform etwas höher und versuchte, mein Gesicht etwas zu verdecken.

"Könnte gefährlich werden mit uns beiden..."

"Wie meinst du das?", fragte ich und schaute ihn fest an.

"Tja, würdest du weiter gehen...?"

'Würde ich es wollen? Würde ich es wirklich wollen?'

"... Ich weiß es nicht... "

"Ganz ehrlich, ich weiß nicht mal, ob ich es machen würde..."

Nun saßen wir da und schwiegen uns an. Ich beobachtete ihn einfach nur und war gespannt, was er nun als nächstes machen würde.

"Aber eins wäre sicher Cloud, wenn wir es gemeinsam versuchen würden, wäre es auf jeden Fall etwas besonderes."

Er war tatsächlich nicht abgeneigt, dies in Erwägung zu ziehen. Mehr noch als ein Kuss.

"Es wäre für mich eine einmalige Sache."

Zack drehte sich zu mir und grinste

"Wer weiß, vielleicht gefällt es dir so gut, dass du nichts anderes mehr möchtest."

"Du vielleicht, ja", protestierte ich und versuchte mich aufzustellen.

"Wäre es schlimm, wenn es so wäre, Cloud? Eine kleine Schwäche zu dir?"

Wieder schaute ich geschockt zu ihm, aber in seinem Blick lag so viel Ernstigkeit.

"Du hast doch ein Mädchen, sagtest du..."

'Warum fange ich davon jetzt an?'

"Schon mal was von Seelenverwandten gehört? Das , was ich grad zu dir empfinde, ist was total anderes. Anders noch als zu Angeal."

Ich verstand was er meinte und wagte es noch einmal, ihm näher zu kommen. Er lächelte warm und genoss meine Berührung. Wieder war ich erschrocken, wie lecker er einfach schmeckte. Wild verflochten schlugen sich unsere Zungen heiß und innig miteinander. Vorsicht ließ er seine Hand in meinen Nacken gleiten und den Kuss intensiver werden.

'Verdammt was tat Zack hier nur. Was taten wir gemeinsam hier? Wenn jetzt hier jemand auftauchen würde und uns hier so sehen würde, wären wir das Gesprächsthema Nummer eins im ganzen Bezirk.' Langsam löste sich Zack von meinen Lippen und wanderte weiter an meinem Hals entlang. Ich konnte nicht anders, aber diese zarte Berührung, die er mir schenkte, ließ mich etwas aufstöhnen. Nicht nur das erregte mich. Ich spürte ganz genau, dass mein Freund in der Hose deutlich wach war.

Verlegen zog ich meine Beine noch dichter an mich ran, um gewisse Beweise zu verstecken.

"Was druckst du so rum? Tut dir was weh?", fragte Zack und lächelte.

Er saß unverändert auf den Stäben und ließ locker seine Beine nach unten baumeln. Einen flüchtigen Blick ließ ich über ihn schweifen und bemerkte tatsächlich, dass auch bei ihm sich etwas regte. Auch er schaute sich nun an und begann sich verlegen über den Hinterkopf zu kratzen.

"Tja, ich würde sagen, das ist dein Werk?"

Ich grinste ihn nur an und mochte seine lockere Art damit umzugehen. Also ließ ich eines meiner Beine lässig nach unten baumeln und schaute in die Ferne.

"Gut, ich schein bei dir auch etwas zu bewirken. Gut, bin ich doch nicht so zu verachten.", gab Zack stolz von sich und schaute ebenfalls in die Ferne.

Wir genossen noch eine ganze Weile das gemeinsame dort sitzen, bis wir gemeinsam zurück gingen. Als ich abends unter der Dusche stand und auch im Bett lag, musste ich immer zu an Zack denken. Er war wahrhaftig etwas besonderes. Einen Menschen wie ihn hatte ich nie zuvor so nah an mich ran gelassen und werde dies auch nie wieder jemals tun.