XXV

"Trage Träume im Herzen."

C:"Auch hier an dieser Stelle sind alles nur Bruchstücke, an die ich mich erinnere. Ich erinnere mich nur daran, dass ich unter Schmerzen nach der Klinge seines Masamune griff und versuchte mein Gewicht so zu verlagern, dass ich ihn wie ein Hebel anheben würde."

M:"Krass was für Schmerzen du gehabt haben musstest. Und dann noch das zu machen... "

C:"Aber woran ich mich erinnere, war sein unfassbarer Blick. Er konnte es selber nicht glauben, dass ich unter Schmerzen zu dem noch fähig war. Er hatte auch etwas gesagt, bevor ich ihn dann letztendlich in die Tiefe des Reaktors gestoßen hatte. Ich glaube, es war sowas wie 'Nein! Unmöglich!'

Daraufhin schleppte ich mich mit meiner letzten noch verbliebenen Kraft zurück und erlag dann doch meinen Wunden und verlor mein Bewusstsein. Aber ich hörte noch ganz weit weg die Stimme von Zack zu mir sprechen. Also lebte er noch. Aber ab da ist alles weg. Es fehlen ganze vier Jahre."

M:"Krass. Ich bin fassungslos. Das ist echt brutal."

C:"Ich weiß aber mittlerweile, was in der Zeit passiert ist. Zumindest denke ich, dass es so war. Ich habe einige Erinnerung und Bilder von Zack, die nach diesem Vorfall gewesen sein mussten. Er hatte zu mir gesprochen. Jedenfalls muss in der Zeit etwas mit mir passiert sein, weshalb ich die typischen Merkmale eines SOLDATEN besitze. Also was ich jetzt als nächstes erzähle, sind meine Vermutungen, wie es passiert sein könnte. Und auch die einzelnen Bilder und Worte von Zack, die dann auftauchten. Es könnte vielleicht etwas verwirrend sein."

M:" Alles gut. Erzähl einfach."

Ich vermute mal das nach dem ich mein Bewusstsein verloren habe, Leute von SHINRA eintrafen und mich und Zack dort weg holten. Es waren nicht irgendwelche Leute. Vermutlich hatten die Turks den Vorfall in Nibelheim schon mitbekommen und sich auf den Weg gemacht. Und sicherlich einige Wissenschaftler mit im Schlepptau. Unter anderem den Professor Hojo. Das habe ich dann mittlerweile auch schon rausbekommen. Dieser verrückter alter Mann hatte es ausgenutzt dass Zack und ich nicht fähig waren uns zu wehren und steckte uns in Glaskapseln im geheimen Labor unter der Shinra Villa und setzte uns in Mako. Im unterbewusstsein hörte ich die Stimme Hojos zu mir sagen.

"Ah diese Augen, habe ich doch schon mal gesehen. Ein so schönes Exemplar. Ich bin gespannt, was aus ihm wird, wenn er es überlebt."

Es war nicht nur Mako allein in was er mich aussetzte. Er benutzte Zellen JENOVA's und injizierte sie mir. Ja es befindet sich noch immer etwas von dieser Kreatur in mir. Es wird wohl auch nie verschwinden. Dadurch werde ich immer eine gewisse Verbindung zu Sephiroth haben. Ob ich will oder nicht. Aber ich lerne damit umzugehen. Dadurch, dass ich so hoher Dosis Mako ausgesetzt wurde, bin ich in einen koma artigen Zustand verfallen. Zack musste irgendwann erwacht sein und konnte sich aus der Kapsel befreien. Doch auch zu diesem Zeitpunkt wusste er nicht, wie lange wir dort waren.

Ich spürte, wie mich zwei warme, kräftige Hände packten und irgendwo hin schleppten.

"Warte hier, ich schau mich um.", hörte ich die Stimme von Zack aus der Ferne. Ich wollte antworten, aber konnte es nicht.

Immer und immer wieder spürte ich Hände die mich packten und von einem Ort zum anderen schleppten. Es muss Zack gewesen sein der mich mit sich rumtrug. Warum er das gemacht hat und mich nicht zurück gelassen hat, hätte ich gerne gewusst. Denn ich bin mir sicher, jeder andere hätte sich nicht darum geschert, was mit einem bewusstlosen Nichts passiert, um sein eigenes Leben zu retten. Ich bin ihm noch immer unendlich dankbar dafür. Dafür dass er sein eigenes Leben aufs Spiel setzte, um mich mit durch zu schleppen.

M:"Tja, ich glaube, dieser Kerl hatte dich einfach unfassbar gern. Darum tat er das."

C:'lächelt bei dem Gedanken zu wissen das man von jemanden gemocht wurde'

Wieder waren da Hände, die an mir zuppelten und mich irgendwo rein setzten. Motorengeräusche und ein vibrieren im gleichen Takt unter meinen Füßen. Aber nicht direkt auf einem Zweirad. Es muss eine Kiste gewesen sein.

'Ein Beiwagen vielleicht?'

"Cloud, ich muss unbedingt nach Midgar. Mein Mädchen wartet dort auf mich. Ob du nun willst oder nicht, aber du begleitest mich."

Es war ihm wirklich ernst, denn es lag Besorgnis in seiner Stimme. Danach war wieder alles vernebelt und ich vernahm nichts im Unterbewusstsein.

Plötzlich knallte es und ich spürte einen Sturz.

'Wurden wir von etwas bombardiert?' Kurz darauf hörte ich leise Gespräche. Zack unterhielt sich mit jemandem. Es klang nach einer Frau.

'Waren wir in Midgar angekommen? Und warum war ich noch immer nicht wach!'

"Cloud verdammt reiß dich zusammen! Wach endlich auf! Zack braucht dich! Sei doch endlich mal nützlich!", schrie ich mich innerlich immer und immer wieder an. Doch es funktionierte einfach nicht. Ich bekam einfach nicht die Kontrolle über meinen leblosen Körper.

Wieder spürte ich, dass man mich über die Schulter trug.

'Zack, bitte lass mich zurück. Warum tust du dir das an? Du wärest bestimmt schon längst am Ziel, wenn du mich nicht mitschleppen würdest.'

Wenn er mich nur hören könnte. All diese Last.

"Cloud, ich hoffe so sehr, dass Aerith noch da ist und auf mich wartet. Ganze vier Jahre sind vergangen... Ich werde ihr erklären müssen was passiert ist.", sprach Zack zu mir.

'Was ganze vier Jahre? Hatte ich das richtig vernommen? Wir waren ganze vier Jahre dort im Labor verschollen?'

"Hey Sir, warten sie!", schrie Zack auf und rannte los.

"Würden sie mich und meinen Kumpel hier mitnehmen? Wir sind auf den Weg nach Midgar."

Daraufhin hievte mich Zack auf einen Truck und setzte mich auf die Ladefläche und sich selbst neben mich. Komisch, ich sah ihn aber irgendwie auch nicht. Er tätschelte meinen Kopf und lächelte mir zu.

"Hey, wir sind doch Freunde oder? Was machen wir nun wenn wir in Midgar sind? Zu SOLDAT geh ich nicht wieder. Vielleicht werden wir beide Söldner. Was meinst du? Klingt nach einem Plan oder?", als er es sagte schloss er die Augen und genoss den Fahrtwind auf seiner Haut. Im nächsten Moment stand er auf und schaute über die Fahrer Kabine um zu schauen wo wir uns befanden, bis plötzlich Schüsse flogen.

"Alter halt an! Wir steigen hier aus!", befahl er dem Fahrer des Trucks zu halten.

Zack packte mich und sprang mit mir im Schlepptau von dem noch fahrenden Truck und versteckte mich hinter einem Felsen irgendwo im Ödland.

"Hier bist du sicher, Cloud. Warte hier auf mich."

'Was hat er vor?', fragte ich mich.

Er lächelte mir noch einmal zu und während er sich von mir abwendete, zog er sein Panzerschwert und ging.

'Zack Nein warte!', schrie ich innerlich und merkte, wie ich meine Hand hob. Meine Hand griff nach ihm, doch er war aus meiner Reichweite. Ich hatte keine Möglichkeit mehr, ihn aufzuhalten. Auch er bemerkte es nicht mehr, dass ich begann mich zu rühren.

Wieder vernahm ich danach eine ganze Zeit nichts, bis ich Regentropfen auf meinem Gesicht spürte. Ich öffnete die Augen. In diesem Moment das erste Mal nach vier Jahren. Es tat höllisch weh. Ich blinzelte ein paar Mal, bis ich mich dran gewöhnt hatte. Der harte Felsen in meinem Rücken stützte mich. Ich saß an dem Felsen angelehnt. Ich schaute mich um und sah nichts außer die unendliche Weite des Ödlandes.

"Zack..."

'Wo bist du nur?'

Ich schaute an mir herunter. Meine Hände, meine Beine. Und bemerkte dann, dass ich andere Kleidung trug. Ich trug eine SOLDATEN-Uniform.

'Hat Zack mich umgezogen?'

Ich hob meine Hände, zumindest versuchte ich es. Ich war mir nicht sicher, ob ich wirklich wach war und Herr über meinen Körper war.

'Gut, meine Arme funktionieren schon mal. Wie sieht es mit meinen Beinen aus?'

Ich versuchte aufzustehen, doch es gelang mir nicht so richtig. Das Gefühl meiner Beine war noch nicht so ganz da.

"Zack, wo bist du?", fragte ich mehr mich selbst als das ich es aussprach. Also begann ich mich robbend fortzubewegen.

'Was ist hier passiert? Warum liegen hier leblosen Shinra Soldaten?'

Es waren viele. Sehr viele Soldaten, die Gefallen waren. Bis mir etwas abseits Zack ins Auge fiel. Er lag am Boden.

Reglos.

Also robbte ich mich näher an ihn heran. Sein Anblick war furchtbar. Ich musterte ihn und sah, dass seine rechte Hand noch immer am Griff seines Schwertes lag. Er atmete noch. Aber sehr schwach. Es floss verdammt viel Blut aus seinen Wunden. Mein Blick traf seinen.

"Zack..." flüsterte ich zu ihm.

Er zuckte und sein Blick fokussierte mich.

"Für uns...beide...", begann er leise zu mir zu sprechen.

Ich konnte oder wollte seinen Worten nicht so ganz folgen.

"Uns...beide?", fragte ich unsicher nach.

Wieder rang er etwas nach Luft.

"Ja richtig...Du wirst..."

'Was meinte er nur? Was werde ich?'

"Du wirst...?", stotterte ich ihm nach.

Es fiel ihm sichtlich schwer, sich zu konzentrieren. Er hob seinen linken Arm und drückte meinen Kopf mit dem Gesicht voran an seine blutüberströmte Brust und meinte, ich werde Leben.

"Du wirst...mein lebendes Vermächtnis."

Seine Hand rutschte schwer von meinem Kopf und prallte mit einem lauten Dumpfer auf dem Boden auf.

In diesem Moment wusste ich, dass für ihn jede Rettung zu spät wäre. Ich wusste, ich verliere meinen besten Freund. Nein, mein Bruder. Sein Blick war voller Stolz. Auch in diesem Moment verlor er nicht sein Lächeln. Er ergriff sein Panzerschwert und hob es an und hielt es mir entgegen.

"Meine Ehre, meine Träume...gehören jetzt dir."

Ich wollte nicht, aber ich konnte nicht anders. Ich zögerte etwas, aber ich tat ihm den Gefallen und nahm den Griff seines Schwertes in die Hand. Er ließ los und stieß es mir noch bedeutsamer entgegen.

"Ich bin...dein lebendes...Vermächtnis.", wiederholte ich seine Worte flüsternd.

Ich hatte verstanden was er meinte und gab ihm damit mein Versprechen für uns beide weiter zu leben und zu kämpfen. In diesem Moment lächelte er und schloss für immer seine stahlblauen Augen.

Erst als ich bemerkte, dass von ihm keine Lebenszeichen mehr kamen, kein Zucken oder Atem, realisierte ich es erst richtig, dass er tot war. Dieses Gefühl was ich empfand war tiefer schmerz. Ich hatte das Gefühl, an der Luft, die ich atmete, zu ersticken. Luft zu holen fiel mir schwer, also schrie ich.

Ich schrie meine Seele aus dem Leib.

Doch auch dies brachte ihn nicht wieder zurück. Mit seinem Tod ist auch etwas in mir verloren gegangen. Ich war gebrochen.

Ich saß noch lange dort im Regen bei ihm und schaute auf den Himmel. Viele gemeinsame Momente und die letzten Bilder von ihm liefen wie ein Film durch meinen Kopf. Bis ich die Sonne auf meiner Haut spürte. Immer wieder hallten seine Worte durch meinen Kopf.

Trage Träume im Herzen.

Wenn du ein Held sein willst...

...dann brauchst du Träume.

"Danke. Ich werde es nicht vergessen."

Ich stand auf und blickte noch einmal auf ihn. Er sah friedlich aus, als ob er nur schlafen würde. Ich verdrückte mir noch ein, zwei Tränen, um mich dann gänzlich von ihm zu verabschieden.

"Gute Nacht...Zack.", waren meine letzten Worte an ihn.

Ich drehte mich um und schleppte mich mit der kompletten Last quer durchs Ödland.